Geprellt, verstaucht, gezerrt – dich hat es beim Training oder im Wettkampf erwischt und du möchtest die schmerzhaften Begleiterscheinungen so gut es geht mildern?

Ein naheliegender Gedanke ist der Einsatz synthetischer Schmerzbekämpfer aus der Apotheke. Spitzenreiter im Gebrauch sind Mittel mit den Wirkstoffen Diclofenac, Ibuprofen oder Paracetamol. Diese und andere chemische Stoffe sollten aufgrund ihrer möglichen unerwünschten Wirkungen jedoch nicht unkritisch konsumiert werden, daher können Präparate auf Naturbasis teils eine gute Alternative sein.

Risiken synthetischer Schmerzmittel

Mittel mit Laborherkunft können zu Gewöhnungseffekten führen. Durch langfristige Einnahme verlieren diese Schmerzmittel an Wirkgrenze, was sich nur durch eine Erhöhung der Dosis umgehen lässt. Zudem besteht vor allem durch die bei rezeptpflichtigen Opioiden eingesetzten Wirkstoffe bei konstanter Einnahme Suchtgefahr. Aber auch die (Neben-)Wirkungen nicht verschreibungspflichtiger Substanzen sind nicht ohne. So kann sich der Heilungsprozess verzögern, weil körpereigene Schutzhormone, sogenannte Prostaglandine, durch die Einnahme gehemmt werden. Mögliche Folgen: Der Magen-Darm-Trakt sowie Herz und Nieren sind schlechter geschützt. Du riskierst Verstopfung, Übelkeit und Müdigkeit, Leberschäden bei Überdosierung von Paracetamol, Verdauungsbeschwerden und zentralnervöse Störungen. Das alles heißt nicht, dass synthetische Schmerzmittel generell Tabu sein sollten. Entscheidend ist der bewusste Umgang mit ihnen. Sie sind stets nur als Übergangslösung zu betrachten. Eine langfristige Einnahme darf daher nur nach ärztlicher Empfehlung in Betracht kommen.

Selbstbehandelbare Sportblessuren

Gegen Prellungen, Verstauchungen und Zerrungen lässt sich eigeninitiativ und ganz ohne Chemieeinsatz einiges ausrichten. Die genannten Blessuren fallen größtenteils in die Kategorie der stumpfen Verletzungen, die durch äußere Gewalteinwirkung entstehen und keine offenen Wunden hinterlassen.

Prellungen werden typischer Weise durch Stöße und Stürze verursacht, wobei verletzte Blutgefäße zu Hämatomen führen können, gequetschte Weichteile und Muskeln in Gefahr geraten, anzuschwellen und speziell die von Faszien umhüllten Muskeln schmerzanfällig sind. Ist die Knochenhaut betroffen, kann es besonders wehtun, man denke nur an Tritte gegen das Schienbein. Bei Verstauchungen und Zerrungen überdehnt die Gewalteinwirkung dagegen ruckartig Bänder, Sehnen und Muskeln. Involvierte Gelenke schwellen an und die Beweglichkeit ist schmerzhaft eingeschränkt oder gar aufgehoben.

Erste Hilfe

Zunächst gilt es die auftretenden Schwellungen und Entzündungsreaktionen zu bekämpfen. Aus dieser Erkenntnis resultiert die weithin bekannte P.E.C.H.-Regel, ein Musterbeispiel natürlicher Schmerzbekämpfung bei Sportverletzungen.

P = Pause: Sport sofort beenden und betroffenen Part ruhig stellen.

E = Eis: Das steht für Kühlen, am besten innerhalb von 15 Minuten und das mit mindestens 20 Minuten Dauer. Kühlelemente sollten wegen drohender Gewebeschäden nicht direkt auf der Haut liegen. Solange eine Entzündungsreaktion spürbar ist, sollte gekühlt werden, also meist über ein bis drei Tage.

C = Compression: Verhinderung größerer Einblutungen durch elastische Kompressionsverbände.

H = Hochlagerung: Um die Schwellung nicht zu verstärken, ist eine möglichst durchgehende Hochlagerung über mehrere Tage sinnvoll.

Versuch’s mal mit Arnika, Beinwell

Wer die Behandlung auf natürlichem Wege begleiten beziehungsweise fortsetzen möchte sollte über den Einsatz von Präparaten mit Auszügen bestimmter Heilpflanzen nachdenken. Wissenschaftlich wohl am besten abgesichert ist die Wirkung von Arnika und Beinwell.

Arnika

Arnika in Tinkturen, Gels und Cremes sowie Salben, alles in der Apotheke und zumeist auch in Drogerien erhältlich, wird seit Langem bei orthopädischen Problemen eingesetzt. Extrakte aus den gelben Blüten enthalten den entzündungshemmenden Inhaltsstoff Helenalin. Arnika hilft bei Verstauchungen, Prellungen, Quetschungen und Muskelschmerzen sowie Blutergüssen und Schwellungen. Auch bei Venenbeschwerden, rheumatischen Problemen oder entzündeten Insektenstichen haben sich entsprechende Zubereitungen bewährt. Nicht geeignet sind sie für Menschen, die auf Korbblütler allergisch reagieren.

Beinwell

Extrakte aus Beinwellwurzel kommen in Form von Salben und Umschlägen zum Einsatz. Werden sie auf die Haut aufgetragen, kann Beinwell leichte Entzündungen mindern, Schmerzen lindern und die Wundheilung beziehungsweise die Regeneration verletzten Gewebes unterstützen. Für diese Effekte ist offensichtlich der Inhaltsstoff Allantoin verantwortlich. Beinwell bietet sich nicht nur bei leichten Sportverletzungen an – auch Muskelschmerzen und Gelenkbeschwerden können durch die Extrakte abgeschwächt werden. Ein Studie legt nahe, dass eine Salbe mit Beinwell-Wurzelextrakt Schmerzen und Schwellungen bei verstauchtem Sprunggelenk ähnlich effektiv bekämpft wie ein Gel mit dem synthetischen Schmerzmittel Diclofenac.

Was gibt es sonst noch?

Bockshornklee gilt als probates Mittel gegen Gelenkschwellungen. Umschläge mit einer entsprechenden Paste können dafür sorgen, dass die diese schneller zurückgehen und Entzündungen abklingen. Cayennepfeffer enthält die Haut reizende Scharfstoffe, was die Durchblutung örtlich verstärkt. Es entsteht Wärme, die in die darunterliegende Muskulatur ausstrahlt, daher empfiehlt sich ein Einsatz vorranging bei Muskelverspannungen.

Kurkuma ist der Wirkstoff des unter anderem auch Gelbwurzel genannten Ingwergewächses. Er kann Entzündungswerte senken und somit entzündungsbedingte Schmerzen lindern.

Weidenrindenextrakt ähnelt substantiell dem chemischen Arzneistoff Acetylsalicylsäure und wirkt schmerz- und entzündungslindernd. Auch Pfefferminz- und Eukalyptusöl zum Einreiben können durch den kühlenden Effekt den Schmerz lindern.

Zu guter Letzt

Unsere Auswahl natürlicher Schmerzlinderer erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wichtig ist es in erster Linie die Erkenntnis, dass der reflexartige Griff zu synthetischer Hilfe nicht immer vonnöten ist, denn milder ist oft besser. Und natürlich gilt auch hier: Im Zweifel immer ärztlichen Rat einholen.

Abbildung: Robert Przybysz / shutterstock.com

Quelle: shape UP Vita 4/2022